Wu Ming Dao
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Wu Ming Dao - 無名道
Wu Ming Dao - 無名道

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20. Oktober 2019

 

„Kultivierung“.
Nach dem Abend daoistischer Kultivierung vom 18. Oktober 2019
Daoisten benutzen für die Praxis den Begriff „Kultivierung“, da dieser impliziert, dass dieser Prozess natürlich ist und nicht erzwungen bzw. forciert werden kann. Die Umstände müssen entsprechend sein, um es zu ermöglichen. 

 

Es gibt hier zu eine kleine Geschichte über einen Landwirt und seinen Sohn. 
Eines Abends nach getaner Arbeit saß bereits der Landwirt mit seiner Familie am Abendmahl, während sein Sohn erst verspätet und komplett mit Schlamm und Dreck verschmiert zu Tisch kam. Gefragt wo er war und was er gemacht hat, antwortete der Sohn: „Ich habe geholfen, dem Reis zu wachsen“. Seine Antwort klang in den Ohren der Familienmitglieder etwas verwirren und lächerlich. So schenkte seiner Darstellung niemand Aufmerksamkeit und alle gingen gleich danach zu Bett. 
Am nächsten Tag, als es aufs Feld ging, haben sie gesehen, dass der Sohn jeden einzelnen Reis-Strunk etwas gezupft und herausgezogen hat, um dem Reis beim Wachsen „zu helfen“. Natürlich hat das nicht funktioniert. Die ganze Arbeit war dahin und alle Reissetzlinge waren tot.

 

So ist es wichtig, die Kultivierung mit dem richtigen Verständnis zu praktizieren. Und die entsprechende „Anweisung“ und Orientierungshilfe bietet uns das Dao De Jing
Im Kapitel 76 steht (nach Richard Wilhelm):

 

Der Mensch, wenn er ins Leben tritt, ist weich und schwach, und wenn er stirbt, so ist er hart und stark. 
Die Pflanzen, wenn sie ins Leben treten, sind weich und zart, und wenn sie sterben, sind sie dürr und starr. 
Darum sind die Harten und Starken Gesellen des Todes, die Weichen und Schwachen Gesellen des Lebens
.“

 

Dieser Aspekt der Schwachheit, Weichheit, Nachgiebigkeit, Flexibilität,… (柔, 弱) ist gleichermaßen die Lehre vom Dao Yin als auch vom Sitzen in Stille. Das Dao De Jing (und andere daoistische Texte) wird also nicht nur als philosophischer Text gesehen. Es liefert für unsere Kultivierung vor allem praktische Ansätze und Instruktionen.  

17. August 2019

 

„In Stille sitzen, ohne Tun, der Frühling kommt, das Gras wächst von alleine.“ 
„靜靜地坐在不做,春天來了,草自己生長“


So lautet eine Redewendung. Sie spiegelt recht gut die grundsätzliche Einstellung zur Kultivierung wieder. Mit Lockerheit und Entspannung und gleichzeitig mit Beständigkeit und in Klarheit hat am 16. August im Jenfeld-Haus ein Abend daoistischer Kultivierung stattgefunden. Angefangen mit lockeren Dao Yin Dehnübungen im Sitzen zu Anfang und endend mit einem kurzen Schnack war der Raum praktisch durchgehend von Jing Zuo (靜坐 - Sitzen in Stille) gefüllt.

02. Juni 2019

„Oben wie unten - Außen wie Innen - Hexagram 52.“

 

An diversen Stellen im Dao De Jing wird auf die Stille bzw. Ruhe hingewiesen. Aber auch das Hexagram 52 (Gèn, Berg) als Doppelzeichen im Yi Jing scheint Hinweise auf die Praxis der Ruhe, der Stille und der innen Schau zu geben.

 

Eine mögliche Lesart wäre
Ruhe.
Entspanne Deinen Rücken.
Unbewußt des Selbst.
Wandere im Hof.
Ohne Menschen zu sehen.
Kein Makel.

(nach Gia Fu Feng)

 

Es gibt gewiss diverse Möglichkeiten, den Originaltext zu deuten bzw. auszulegen.

 

Ob wir es „Ruhe“ nennen oder „Stille“, wir wissen intuitiv, um was es sich handelt. Denn „Stille“ mit Worten zu beschreiben bzw. zu nennen, geht eben nicht. Jeder Versuch, es auszusprechen handelt der Stille zuwider. :-) Jede Benennung ist das Gegenteil der Stille. Jemand hat gesagt: „Nur die Stille stillt die Stille“.

 

Das Bild des Berges findet sich u.a. in den Versen „Alleine sitzen am Jing Tang Berg“ des großartigen Dichters Li Bai wieder.


Übrigens:

Das Urzeichen zeigt eine Person, die über eigene Schulter zurückschaut. Als würde man deuten: Schaue auf die Essenz Deiner ursprünglichen Natur zurück. Vergl. Dao De Jing, Kapitel 16 „… Rückkehr zur Wurzel heißt Stille …“

10. März 2019

„Ein Tag daoistischer Kultivierung im Hamburger Stadtteil Jenfeld.“

 

Am Sonntag, den 10. März 2019 fand erneut ein Tag daoistischer Praxis statt. 

 

Die Grundlage dafür bildete das Verständnis der Praxis anhand der „Klassiker“ wie Dao De Jing und Zhuang-Tse.

In diesen Texten finden sich zahlreiche Hinweise auf die Praxis.

 

Die praktischen „Blöcke“ bestanden aus Dao Yin und Meditation im Sitzen.

 

Bei Dao Yin geht es NICHT darum, eine bestimmte Postion zu „meistern“ oder eine perfekte Stellung zu halten. Es ist keine starre Abfolge von Formen. Vielmehr respektiert die daoistische Praxis individuelle Verfügung eines jeden Praktizierenden. Und das kontinuierlich, jedes Mal und somit im Sinne eines Prozesses - nicht einer Zielerreichung. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum es bei Dao Yin keine Meisterschaften gibt. :-) Und dennoch ist Dao Yin keine Anarchie, kein Durcheinander, keine willkürliche Abfolge. Dao Yin ist vielmehr eine geschlossene Einheit, die im Einklang ist mit dem Wechsel von Yin und Yang und dem Qi-Fluß.

 

An dieser Stelle ein Zitat von Gia Fu Feng:

"If you only follow the forms you lose the essence, and essence can only be experienced by yourself and through yourself.“

 

Das Sitzen in Stille (ZuoWang) ist ein weiterer Aspekt der daoistischen Kultivierung. Diese ist ebenfalls NICHT Ziel- bzw. Ergebnis orientiert. Sie ist Prozess orientiert. Das Sitzen in Stille offenbart die Gegenwart. Gegenwart, die NICHT kreiert wird. 

 

Neben der Dao Yin und ZuoWang Praxis blieb an diesem Tag jedoch genügend Zeit für Austausch u.a. zu Themen wie Reisen nach China, Taiwan und Korea, TCM sowie Kräuterkunde aber auch für Tee-Genuss. Und eine ordentliche Portion Spaß hat dabei auch nicht gefehlt.

21. Dezember 2018

„In den Bergen zwei Taoisten.“

 

Einst lebte in China auf einem Berg ein alter, einsamer Taoist. Obwohl er nicht berühmt war, wussten die Leute in der Umgebung, dass es ihn gab. Und so machte sich eines Tages ein junger Adept zu dem Alten hin, um nach der Tao-Lehre zu suchen. Angekommen, wurde der Junge von dem Taoisten freundlich empfangen und so blieben die beiden gemeinsam in der Klause wohnen.

 

Nach einiger Zeit jedoch plagten schwere Zweifel und wirre Gedanken den jungen Adepten. Kurze Zeit später entschloss er sich, den alten Mann höflich über seinen geplanten Weggang zu informieren und so sprach er also:

- „Ehrwürdiger Meister, ich kam zu Euch auf der Suche nach der Tao-Lehre. Doch in den vielen Monaten seit meiner Ankunft habe ich von Euch nichts vernommen. So habe ich mich entschlossen, weiter zu ziehen.“

 

Der alte Taoist erwiderte mindestens genauso höflich:

- „Wie Ihr meint, mein Herr.“ Doch - fuhr er fort - so, wie Ihr gekommen ward, so seid Ihr geblieben. Die Kleidung, die Ihr mir mitgebracht habt, habe ich getragen. Das Essen, welches Ihr für mich gekocht habt, habe ich gegessen. Den Tee, den Ihr zubereitet habt, habe ich getrunken. Ist das etwa keine Tao-Lehre?“

 

Und so leben die beiden wahrscheinlich immer noch gemeinsam auf dem Berg in Genügsamkeit, Stille und Zufriedenheit.

07. Oktober 2018

Tage der Stille und Einfachheit, daoistischer Retreat in Jenfeld, Hamburg.

 

Es war optimale Zeit: Abnehmender Mond, ein Wochenende, ein gesetzlicher Feiertag und dazwischen zwei Tage frei. Vom Sonnabend, den 29. September bis Mittwoch, den 03. Oktober 2018 hat im Hamburger Stadtteil Jenfeld ein Retreat „Tage der Stille und Einfachheit“ stattgefunden. 

Den - im wahrsten Sinne des Wortes - theoretischen Anfang bildete eine Einstimmung am Freitagabend. Bereits in der stillen Frühe des nächsten Morgens - ab 03:15 h - ging es los mit daoistischen Dao Yin (導引) Übungen. Darauf folgten zwei Sessions der stillen Meditation im Sitzen (靜座). Das Frühstück bestand aus einfachen, warmen Gerichten. Gegen Mittag folgte „Meditation im Gehen“ (靜走)in der freien Natur, denn das Wetter spielte perfekt mit. Am Nachmittag gab es genügend Zeit für Poesie (u.a. „Han Shan“, „Tai Gu“ und „Li Bai“) und/ oder um feinen taiwanischen Oolong Tee zu geniessen. Abends wurde ebenfalls im Sitzen meditiert. Der Ablauf der folgenden Tage blieb - mehr oder minder - ähnlich und richtete sich vorwiegend an dem jeweils aktuellen Wetter.

Am Mittwoch Nachmittag endete der Retreat nach intensiver Praxis der Vortage mit einem kleinen „Festmahl“.

23. September 2018

Der Affe am Baum.

Auch in China gibt eine schlaue Art, Affen zu fangen. Es geht so, dass man in eine Kokosnuss oder in einen Baum ein kleines Loch macht. Gerade groß genug, damit ein Affe seine Hand dort reinstecken kann. Anschliessend legt man z.B. eine Banane in das Loch rein. Wenn ein Affe vorbeikommt, steckt er seine Hand in das Loch, um nach der Banane zu greifen. Die Banane haltend kriegt der Affe aber seine Hand nicht mehr aus dem Loch heraus. Dafür ist das Loch zu schmal. Und somit hat sich der Affe selbst gefangen. Solange er an der Banane festhält, bleibt er fest am Baum. Der Affe versteht nicht, dass, wenn er just die Banane loslassen würde und die Hand aufmachen würde, er sich damit selber befreien würde. Zuerst müssen wir also klar sehen, wie wir uns an uns selber festklammern - sowohl mental als auch physisch. Im Falle des Affen also geht es darum, die Hand zu öffnen und loslassen. Aber das zu verstehen, ist nicht ausreichend. Für die praktische Umsatzung werden zunächst Methoden benötigt, um die "Faust zu öffnen". Und das eben ist Dao Yin und Meditation. Erst wenn die Faust die Banane des Verlangens loslässt, wird die Hand befreit und der Affe erfährt Freiheit.

05. August 2018

“Leiten und Dehnen" - Dǎo Yǐn - 導引 Bereits in den alten Werken wie Zhuang Tse werden die gymnastischen Übungen erwähnt. In welcher Beziehung stehen diese zu der Meditation „im Sitzen“ - (zuò wàng - (坐忘)? Dao Yin (導引) ist eine uralte Daoistische Praxis von Dehn-Bewegungen, die vor der Kultivierung im Sitzen - auch Zuo Wang (坐忘) bzw. Tranquil Sitting genannt - praktiziert werden. Die Bewegungen helfen dem Körper, die physische Haltung zu adaptieren. Gleichermassen ob wir in einer der Positionen mit gekreuzten Beinen oder auf einem Hocker sitzen, die meisten von uns ringen damit zu Anfang. Wir sind es nicht mehr gewohnt, still zu sitzen und so empfinden wir schnell Ungemütlichkeit und Unruhe. Wie ein Strudel, welcher den natürlichen Lauf des Flusses „zerreißt“, so deformieren gehemmte Emotionen und physische Kontraktionen, welche wir unser Leben lang angesammelt haben und an den wir festhalten, unsere ursprüngliche Qi-Struktur. Oft empfinden wir das als ungeduldige Rastlosigkeit, ein Gefühl von Entkoppelt-Sein und Kampf, um präsent zu sein. Wir fühlen uns unwohl in unserer eigenen Haut. Die Kultivierung von Dao Yin setzt frei und „entknotet“ das übermäßig stimulierte und rastlose Qi (氣) durch Glättung der Turbulenzen in den physikalischen und emotionalen Aspekten unseres Seins. Dieser Prozess der Verfeinerung beginnt mit Selbstmassage, um den Körper zu wärmen und den Fluß der Körperflüssigkeiten und des Qi zu kräftigen.

24. Juni 2018

"In der Jin-Dynastie während der Regierungsperiode "Höchster Urbeginn" (376 - 396) fuhr einmal ein Fischer mit seinem Boot den Fluss hinauf, ohne recht zu achten, wie weit ihn der Weg führte." 晉太元中,武陵人捕魚為業,緣溪行,忘路之遠近。 Von Tao Yuanming - Die Wundersame Geschichte vom Pfirsichblütenquell 桃花源記 ist eines von Taos berühmtesten Werken: Ein Fischer aus Wuling rudert ein Flüsschen hinauf und gerät in einen Pfirsichhain, wo ihn frohe Menschen empfangen und bewirten. Bereits zu Zeiten des Hauses Qin hätten sich ihre Vorfahren hierher zurückgezogen. Seither lebten sie hier in Frieden. Sie baten den Fischer, niemandem von ihrer Existenz zu erzählen. Den Zugang zu dem Paradiese konnte später freilich niemand finden. (Quelle:https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_chinesischer_Zitate)

11. Mai 2018

Der Regen hat aufgehört, die Wolken sind weggezogen, Und der Himmel ist wieder klar. Wenn dein Herz rein ist, Dann sind alle Dinge deiner Welt rein. Gib diese vergängliche Welt auf, gib dich selbst auf. Dann werden der Mond und die Blumen Dir den Weg weisen. - Ryokan, TaiGu - (Quelle: de.wikipedia.org) 

Am Samstag, den 07. April 2018 veranstaltete Wu Ming Dao im Hamburger Stadtteil Jenfeld einen Tag daoistischer Praxis für jedermann. Es waren keine Vorkenntnisse notwendig - grundsätzliches Interesse an dem Thema war absolut ausreichend. Lediglich bequeme Kleidung, Sitzkissen sowie eine Decke waren mitzubringen. Wir starteten n um 10.00h Uhr und endeten gegen 14.00 Uhr. Den Tag begann mit einer leichten Einführung und Betrachtung ausgewählter Auszüge aus dem Dao De Jing zur „Einfachheit“. Folgend erkundeten wir die einfachen Dao Yin Positionen und Dehnübungen sowie deren Relation zueinander. Die Dao Yin Übungen helfen uns, die Wahrnehmung des Körpers zu verstärken und bilden gleichzeitig einen Übergang zu der daoistischen Praxis des „Sitzen in Stille“ (Jìng Zuo 靜坐 bzw. Zuo Wang, 坐忘). Auch hierzu sind keine Vorkenntnisse notwendig. Die natürliche Sitzposition kann bei Bedarf - je nach körperlicher Verfassung eines einzelnen - variieren. Tee und kleine Snacks wurden kostenfrei angeboten. Damit jeder ausreichend Raum hat, war die Anzahl der Teilnehmer begrenzt. Zwecks Anmeldung zu einem der kommenden Treffen bitten, entweder unser Kontaktformular zu benutzen oder uns eine Email an willkommen@wumingdao.org zu senden. Vielen Dank.

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